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Beate Ulich

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Krabbenkutterfahrt

Gästefahrt beim Schipperfest


Im Festzelt singt der Wremer Shantychor gerade seine Seemannslieder und draußen prasselt der Regen ununterbrochen in Kaskaden hernieder. Trotzdem haben sich einige Unentwegte an der Pier im Hafen eingefunden. Traditionell findet zum Schipperfest in Wremen sonntags eine Gästeausfahrt der Kutter und Sportschipper ins Wattenmeer statt. Und nur Sturm oder Gewitter kann diese Tradition brechen.

Hier an Bord des Krabbenkutters „Claudia“ ist man den heftigen Regenschauern so richtig ausgeliefert. Dick angezogen, darüber Friesennerz, Regenhose und Gummistiefel, einige Urlauber und Einheimische haben sich auf das Wetter eingestellt. Es riecht nach Tang, Meer und Krabben. Kapitän Olaf Schmidt macht die Maschine startklar, vor uns verlässt gerade die „Wremen“ mit Kapitän Wolfgang Peters ihren Liegeplatz. Auch die Sportboote und Nebenfischer manöverieren sich aus ihren Boxen und reihen sich in den Ausflugskonvoi ein. Langsam verlässt die kleine Flotte den Wremer Hafen. Horizont und Wasser verschmelzen zum Einheitsgrau. Der Regen mache ihm überhaupt nichts aus, versichert ein Urlauber. Denn wo bekomme man schon die Möglichkeit, auf einem echten Fischkutter mitzufahren. Vor uns passiert langsam ein Containerriese das Weserfahrwasser, die Hafenanlagen von Bremerhaven sind im Regendunst kaum auszumachen.

Und dann klicken plötzlich hektisch die Digitalkameras. Der Seenotrettungskreuzer „Hermann Rudolf Meyer“ kommt in Sicht. Wie jedes Jahr lassen es sich die Rettungsmänner nicht nehmen und bereiten der kleinen Wremer Flotte einen feuchten Empfang. Den Gashebel herumgelegt und schon schießt der Seenotrettungskreuzer mit Vollgas an den Kuttern vorbei. Eine ordentliche Bugwelle lässt die Kinder jubeln und die Fotografen fluchen. Jetzt geht es Schlag auf Schlag. In Sichtweite wird das Tochterboot „Christian“ zu Wasser gelassen.

Senotrettungskreuzer in voller Fahrt.

Entwickelt wurde das Tochterboot-Prinzip in den 1950er-Jahren bei der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS), da man für einen effektiven Seenotrettungsdienst an den deutschen Küsten einerseits schnelle Fahrzeuge benötigt, andererseits aber auch im Flachwasser des Wattenmeeres operieren muss. Inzwischen schüttete es wie aus Gießkannen. Und so kann die große Löschkanone des Seenotrettungskreuzers bei den Passagieren der Kutter den Feuchtigkeitsgrad der Jacken auch nicht mehr wesentlich steigern. Die Sammelbüchse an Bord, die für die DGzRS herumgereicht wird, findet jetzt große Beachtung. Da wandert auch einmal ein Schein durch den Schlitz. Viele neue Fans gewinnen die Seenotretter heute. Kurz vor dem Leuchtturm Robbenplate ist der Umkehrpunkt erreicht. Jetzt kommt auch noch der Wind von vorne, eine große Welle schwappt über den Bug. „Ist ja nur Wasser“, murmelt eine Stimme gleichmütig. Und als dann bei strömendem Regen die Passagiere im Hafen wieder von Bord klettern wollen, hat die Natur noch ein feuchtes Hindernis parat. 30 Zentimeter höher als das mittlere Hochwasser ist die Flut heute aufgelaufen. Die nassen Füße beim Aussteigen werden von den meisten gar nicht mehr wahrgenommen. Aber so ein bisschen Seemann ist bei dieser Fahrt wohl jeder geworden. ul

Seenotrettungskreuzer vor der "Wiking".