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Knüppelkrieg

Wremer Gästezentrum

Wremen. Da schwirrten in buntem Wirrwarr deutsche und französische Worte durch das Wremer Gästezentrum. Über dicke Fleece-Pullover und lange Unterhosen werden französische Uniformen gezwängt. Eine Garderobe weiter versuchen die Statisten gerade ihre groben Leinenhosen- und Kittel über die dicke Unterwäsche zu ziehen.

„Es wird heute Abend wieder kalt vorm Deich“, sagte Spielleiter Jens-Erwin Siemssen von der Theatergruppe „Das letzte Kleinod“ am Premierenabend. Trotz schneidenden Windes und herbstlicher Temperaturen mochte wohl kein Besucher des ungewöhnlichen Theaters seinen Freiluftplatz mit Blick über die Salzwiese und das Weserfahrwasser mit einem Logenplatz in einem Theater tauschen. Sogar ein warmer Schlafsack zum Einkuscheln war im Eintrittspreis inbegriffen. Im Jahre 1811 besetzte Napoleon die deutsche Nordseeküste und deklarierte sie zu Départements des französischen Kaiserreiches. Er verhängte eine Seeblockade, Fischerei und Frachtschifffahrt kamen zum Erliegen. An der Küste herrschte große Not und allerorten loderten Volksaufstände gegen die feindliche Besatzungsmacht auf. Genau diese fast vergessene Geschichte erzählen und spielen „Das letzte Kleinod“ zurzeit am Wremer Deich.

Warmer Schlafsack inbegriffen

Und das besondere an den Wremer Aufführungen ist, dass der Ort und sogar die französische Partnergemeinde in das Spiel eingebunden sind. Sechs Einwohner aus Ploeren haben die weite Reise aus der südlichen Bretagne auf sich genommen, um als Statisten mitzuwirken. Aber auch die Theater AG der Dorumer Oberschule ist mit Feuereifer dabei. Während die Bretonen natürlich als französische Soldaten mitwirken, schlüpfen die Wurster Schüler bei jeder Vorstellung in die Rolle der aufständischen Bauern. Nur Lehrerin Susanne de Rochefort ist wohl zu den Franzosen übergelaufen. Sie hisst sogar die französische Flagge und trägt Napoleons Uniform. Trotz des eisigen Windes verharrten die rund 200 Premierengäste fast regungslos in ihren warmen Kokons. Fast dramatisch segelten Regenwolken über das Watt, Lichtreflexe der schon untergegangenen Sonne sorgten für eine immer neue Bühnenbeleuchtung. Zwei Containerriesen erhellten majestätisch das Weserfahrwasser. „Die hat sicherlich der Regisseur für uns bestellt“, raunte ein Gast im Publikum.

Knüppelkrieg vor imposanter Kulisse

Aber auch in Wremen selbst ist während der Theatertage eine verblüffende Änderung eingetreten. Im Ortsbild tauchen immer mehr französische Flaggen auf, auch die Südpier am Hafen und vor dem Gästezentrum weht die Trikolore. Zwei Gastronomen haben es sich ebenfalls nicht nehmen lassen und servieren zurzeit französische Menüs. Das Restaurant des Hotel Deichgraf setzt auf Schalotten Suppe, rosa gebratene Entenbrust mit Mangold und als Nachtisch gibt es Crème brûlée. Börsen-Chefkoch Björn Wolters bietet seinen Gästen Carpaccio von der Jakobsmuschel, Kürbiscremesuppe mit gebackenen Weinbergschnecken, Maishähnchen mit Ratatouille, Thymianjus und Bandnudeln sowie als Dessert Birnen-Tarte mit Rumrosinen-Eis und Kompott von gelben Pflaumen.

Abendstimmung am Wremer Tief