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Kluvstockspringen

Kluvstockmeisterschaften


„Freiheit für die Wurster Bauern!“ Kämpferische Worte am moderigen Wassergraben im Wierdener Viertel in Mulsum. Anton Biehl höchstpersönlich hatte am Sonnabend zum Kluvstock gegriffen und nach akrobatischer Landung trockenen Fußes diesen alten Schlachtruf aufleben lassen.

Anton Biehl beim Kluvstockspringen

Kompliment. Eine rundherum gelungene Veranstaltung für Zuschauer und Teilnehmer war die Neuauflage der Wurster Kluvstockmeisterschaften. Die Mischung aus Sport, Schadenfreude, Pilzpfanne und Kuchenbüfett lockte wieder unzählige Besucher nach Mulsum. Auch die Theatergruppe „Das letzte Kleinod“ hatte Jan Groen, Enno Eden und Anton Biehl zum Wettkampf gemeldet. Klar, dass die jungen Schauspieler schon vorher das Kluvstockspringen geübt hatten. Immerhin spielt ja auch ihr neues Theaterstück, dass im September am Wremer Deich aufgeführt wird, in der Franzosenzeit Land Wurstens.

Harald Graw

Bei herrlichem Wetter ging es Schlag auf Schlag. Nach der langen Regenperiode gut gefüllte Gräben garantierten spektakuläre Abstürze. Dabei sieht gar nicht so schwer aus. Am fünf Meter langen Stock schweben geübte Kluvstockspringer elegant über den breitesten Graben. Bei den Anfängern glichen die ersten Sprünge allerdings dann doch eher einem ungewollten Ritt auf dem Hexenbesen oder einem Adlerküken, das gerade aus dem Nest fällt. Herrlich auch die erstaunten Blicke der Wettkämpfer, bevor sie in der moderigen Entengrütze versanken. Kluvstockspringen ist auf eine uralte Wurster Tradition zurückzuführen. In regenreichen Herbst- und Wintertagen waren die unbefestigten Wege unpassierbar, den Bauern blieb dann nichts anderes übrig, als das dichte Grabennetz per Kluvstock zu überwinden.

Auch der Vorsitzende des Kreissportbundes Cuxhaven machte Bekanntschaft mit der Entengrütze.

Erst der Stock und dann das Herz hinterher.

Die Springer der Theatergruppe „Das letzte Kleinod“ sorgten mit ihren Kostümen und flotten Sprüchen immer wieder für Heiterkeit. Besonders „Enno Eden“ präsentierte eine ganz neue Sprungtechnik. Zuerst warf er den Stock über den Graben, anschließend sich selbst hinterher. „So etwas habe ich in meiner langen Kluvstock-Praxis auch noch nicht gesehen“, musste auch Organisator und Altmeister Wolfgang Tietje eingestehen.
Am meisten beklatscht wurden die spektakulären „Bauchklatscher“ der Neulinge. An viele „Erstspringer“ stellte das „Sportgerät“ völlig neue Anforderungen. Vor allen Dingen der korrekte Bewegungsablauf ist bei dieser ungewöhnlichen Sprungdisziplin der Schlüssel zum Erfolg. Mangelnde Konzentration wird sofort bestraft. Ein Bad in der zentimeterdicken Entengrütze ist dann vorprogrammiert. „Du hast die Haare schön“, mussten sich vor allen Dingen die drei mutigen Frauen anhören, die nach guten Sprüngen nur ganz knapp das rettende Ufer beim letzten Sprung verfehlten.

Enno Eden beim Muslumer Kluvstockspringen.