Ernteumzug in Wremen
Wremen. Was haben wohl die ersten Kosmonauten, der Knüppelkrieg der Wurster Bauern und Turnvater Jahn gemeinsam? Der Wremer Sportverein beantwortete beim Ernteumzug diese seltsame Frage: Der Wremer Markt hat sie alle überdauert. Und die 300. Jubiläumsfeier des Wremer Traditionsfestes war dann auch das diesjährige Motto der Festwagen beim Ernteumzug.
Der TuS hatte eine Zeitreise als Uhr auf seinem Wagen installiert.
Bunt und lustig ging es in der Langen Straße schon beim Aufstellen zu. „Erst bekommt man keine Leute für die Festwagen und dann sind sie plötzlich doch alle da“, wunderte sich Willy Jagielki. Das Erntefest wäre halt die fünfte Jahreszeit für die Bürger, so der Wremer. Auch viele Zuschauer aus den umliegenden Ortschaften und sogar aus Bremerhaven waren gekommen, um die bunte Pracht aus der Nähe zu bewundern. In diesem Jahr waren die geschmückten Festwagen, Fuß-, Fahrrad- und Bollerwagengruppen besonders gelungen. Organisiert von der Gemeinde, der Feuerwehr und den örtlichen Vereinen war das Erntefest wieder einmal ein voller Erfolg. Schon vor dem eigentlichen Beginn röhrte der Sound von überdimensionierten Boxen von den Festwagen. Drumherum quirlten Umzugsteilnehmer und Zuschauer bunt durcheinander. „So etwas habe ich hier im kühlen Norddeutschland ja überhaupt nicht erwartet“. Thomas Kuchem staunte nicht schlecht. „Wenn das hier kein Karneval ist, dann weiß ich es auch nicht“, so der Rheinländer kopfschüttelnd.
Viele zuschauer säumten die Wremer Straßen.
„Achtung, ein Geistertänzer kreuzt ihren Weg, halten sie sich bitte ganz rechts“, tönte es durch den Lautsprecher. Angeführt vom Spielmannszug Tuspo Surheide setzte sich dann der Zug in Bewegung. Bonbons und Schokotafeln für die Kinder aber auch Hochprozentiges für die erwachsenen Zuschauer wurden entlang der Strecke in rauen Mengen von den Wagen gereicht. Tolle Ideen, dazu viel handwerkliches Geschick und jeweils eine stilechte Besatzung ließ die Zeit des alten Wremer Krammarktes wieder auferstehen. Eines der aufwendigsten Stillleben hatte der Wremer Verkehrsverein kreiert. Sogar lebende Kaninchen und Enten bevölkerten den reich dekorierten Festwagen. Das bedeutete den vielumjubelten ersten Preis für das Ensemble. Auch die Nachbargemeinden nahmen am Umzug teil. Mulsum war sogar mit vier Themen vertreten. Besonders die TSV-Hexen kamen bei den Zuschauern gut an. Den zweiten Preis hat die Jury dem Festwagen des Seniorenheims Eden zugesprochen. Fast hatte man den Eindruck, dass ein uralter Ackerleiterwagen mit Holzspeichen durch die Dorfstraße fuhr. Und die kleinen flüssigen Muntermacher, die das Team des Seniorenheims freigiebig aus großen Spritzen verabreichte, waren auch sehr willkommen.
Den dritten Preis bekam ein privater Festwagen mit angehängtem Boxring. Als sich „Knochenbrecher“ Heiko alias Bürgermeister Dahl dann noch dazu überreden ließ, gegen „Großmaul“ Molly (Fenrich) einen kurzen Schaukampf zu liefern, stand das Publikum Kopf. Den Kindersonderpreis der Kurverwaltung bekam die herzallerliebste, mit Lebkuchenherzen, Zuckerstangen und Mandeln bestückte Zuckerbude auf Rädern. ul


