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Beate Ulich

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Wattlaufen

Wattwanderung im Wurster Watt


Dorum-Neufeld. Die Sonne brennt vom Himmel, es ist kaum Wind zu spüren, und weil es die Tide erlaubt, bietet das Wurster Nationalpark-Haus eine Wattwanderung an. Unter der sicheren Anleitung eines Mitarbeiters geht es hinaus in die Weite. Direkt hinter dem Nationalpark-Haus führt eine Treppe ins Watt. Weich nimmt das Watt die Füße auf. Die ersten Schritte in dem ungewohnten Element sind noch zögerlich. Wo gibt es das schon? Eine Wanderung barfuß auf dem Meeresgrund. Ein herrliches Gefühl ist es, wenn der Schlick kühl und geheimnisvoll zwischen den Zehen schwabbert, die Fahrrinne der Außenweser mit ihren großen Pötten immer näher rückt und eine Vielzahl von Wattbewohnern entdeckt werden will. Ob allein oder in der Gruppe, eine Wanderung im Nationalpark Wattenmeer ist immer ein Erlebnis.

Rote Bohne

Etwas Gänsehaut macht sich auf den Armen breit, als ein kleiner Wattkrebs zielsicher den großen Zeh ansteuert. Grell scheint die Sonne, flirrend gaukeln die Luftschichten den Wanderern eine Fata Morgana vor. Am Horizont – fast abgehoben von Watt und Wasser- zieht ein Containerfrachter vorbei. Ein erster kleiner Priel kreuzt den Weg in Richtung Unendlichkeit. Jetzt ist es still im Watt, sehr still. Halt, ein ganz besonderes Knistern ist da doch zu hören. Winzige Schlickkrebse leben hier und sorgen für die ungewöhnlichen Geräusche. War der Untergrund bisher schön fest, sinkt man hier plötzlich bis zu den Waden im Schlick ein. Hübsche Muscheln gibt es zu entdecken. Zartrosa getönt ist die Schale der „Roten Bohne“. Der richtiger Name lautet „Baltische Plattmuschel“. Sehr irreführend, da die Art in der Nordsee viel häufiger als in der Ostsee vorkommt. In etwa fünf Zentimeter Tiefe liegt die erwachsene Muschel im Boden und saugt mit ihrem langen röhrenförmigen Schnorchel, der Sipho genannt wird, ihre Nahrungsteilchen ein.

Ein paar Hundert Meter weiter fallen markant-dunkle Spaghettihäufchen im Watt auf. Gleich daneben jeweils ein kleiner Trichter. Ein ganz unscheinbares Lebewesen ist dafür verantwortlich. Wattwürmer bewegen jährlich 4000 Tonnen Sand pro Hektar, reinigen ihn und verdauen darin enthaltene Mikroorganismen. Gefährlich ist seine Gier. Denn alle 45 Minuten muss er mit seinem Schwanz an die Wattoberfläche um Kot abzugeben. Darauf lauern viele Räuber schon. Ein Austernfischer stakst über den Meeresboden vor der Gruppe. Genau passt er auf, wo wieder ein kleines Kothäufchen des Sandpierwurms auf dem weiten Wattboden entsteht. Ein schneller Schnabelhieb und schon hat der arme Wurm keinen Schwanz mehr.

Die Querpriele nehmen zu. Von überall her strömen mittlerweile kleine Rinnsale Richtung Küste. Langsam wird es Zeit, an Umkehr zu denken. Die Tide wartet nicht auf bummelige Wattwanderer. Glucksend füllen sich schon Wattlöcher mit der salzigen Meeresflut. Tief steht die Sonne schon über der Wesermündung und sorgt zum Abschied für ein spektakuläres Abendrot auf den Watten. ul