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Vogelzugtage

Den Vogelzug und seine Vielfalt konntem an gerade bei den Zugvogeltagen aus nächster Nähe erleben. Auf dem Programm der niedersächsischen Nationalpark-Häuser standen Vogelexkursionen jeder Art aber auch Vorträge, Filme, Kunst und Literatur. Unter fachkundiger Führung erfuhren die Teilnehmer, warum das Wattenmeer eine zentrale, unverzichtbare Rolle für den internationalen Vogelzug spielt und als Nationalpark geschützt ist.
Es ist einfach ein Gänsehaut-Schauspiel, wenn Tausende Weißwangengänse gleichzeitig an ihren Schlafgewässern eintreffen oder die dichte Wolke arktischer Watvögel über dem Watt exakte Flugmanöver absolviert.

Austernfischer an der Wattkante



Der Vogelzug – ein unvergessliches Spektakel am Wattenmeer

Das Wattenmeer an der Nordseeküste ist der Dreh- und Angelpunkt des Vogelzugs in Mitteleuropa. Neben Hunderttausenden von Brutvögeln legen hier mehr als zehn Millionen Zugvögeln im Frühjahr und Herbst eine Rast auf ihrem Flug zwischen der nord- und der Südhalbkugel ein. Bis sie an unseren Küsten ankommen, fliegen einige von ihnen bis zu 4.000 Kilometer nonstop. Die Wattenmeerküste erstreckt sich vom dänischen Esbjerg bis Den Helder in den Niederlanden.

Dr. Hans Joachim Ropers

Zurzeit machen viele Zugvögel Station in den Salzwiesen und Vordeichflächen unserer Küste, um sich auszuruhen und neue Kraft zu tanken. Wenn bei Ebbe die Wattflächen trockenfallen, ist der Tisch reichlich gedeckt: Das Watt ist eine prall gefüllte Speisekammer - es bietet Muscheln, Schnecken und Würmer für alle. Üppige Grasflächen locken die Vegetarier unter den Vögeln an. Jetzt sei die interessanteste Zeit des Vogelzuges, schwärmt Dr. Hans Joachim Ropers. Der Gymnasiallehrer für Biologie und Chemie ist aus Interesse an der Ornithologie bereits seit 1976 Mitglied des damaligen Deutschen Bundes für Vogelschutz und seit 1984 Vorsitzender der NABU-Gruppe Cuxhaven. Neben den Nachzüglern der typischen arktischen Brutvögel wie den Kiebitzregenpfeifer könne man jetzt auch Watvögel wie den Goldregenpfeifer, den großen Brachvogel und natürlich den nicht zu verwechselnden Austernfischer im Deichvorland und Watt entdecken. Zum Teil würden diese Zugvögel sogar den gesamten Winter an unserer Küste verbringen, so der Vogelexperte. Und da sich der Zug der Watvögel gerade auch mit dem Kleinvogelzug überlagert, könnten zurzeit Tausende von Staren, Wiesenpiepern, Feldlerchen und Rohrammern beobachtet werden. „Jetzt besteht sogar die seltene Gelegenheit, Zwergammern zu sehen“, so Ropers. Natürlich ist es für Laien gar nicht so einfach, diese Vögel zweifelsfrei zu bestimmen. „Meistens kommt man gar nicht nahe genug heran“, erklärt Ropers. Zur Identifizierung benötigt man mindestens ein gutes Fernglas, besser ist ein Spektiv. Als erfahrener Ornithologe orientiert sich Ropers bei der Bestimmung sowieso zu 90 Prozent mit den Ohren. Deshalb sollten interessierte Naturliebhaber erst einmal eine geführte Vogelwanderung zu den Rastplätzen mitmachen, um die wichtigsten Arten unterscheiden zu lernen.

Nonnengänse auf der Durchreise

Das Foto ist an der Deichüberfahrt Spieka-Neufeld entstanden.

Säbelschnäbler



Gänsezug hat eingesetzt
Vor etwa vier Wochen hat auch der Gänsezug eingesetzt. Hauptsächlich Weißwangen- sowie Blessgänse und geringerer Zahl auch Grau-, Saat- und Ringelgänse könne man jetzt im Deichvorland rasten oder mit ihrem charakteristischen Ruf Richtung Süden ziehen sehen. Besonders interessante Beobachtungsplätze sind die Wurster Küste, der Wesertrichter und die Elbmündung. Große Flüsse hätten immer eine Leitlinienfunktion für Zugvögel, erläutert der Experte. Dieses gelte auch für den Kleinvogelzug. „Manchmal fliegen hier in einer Stunde Tausende an Staren durch“, hat Ropers beobachtet. Deswegen werden NABU und das Nationalpark-Zentrum Cuxhaven auch heute und morgen ab 9 Uhr an der Kugelbake am Döser Strand für jeweils drei Stunden eine kleine Station aufbauen. Durch ihre exponierte Lage sei die Kugelbake eine der besten Stellen, um Zugvögel zu beobachten, schwärmt Ropers. An kaum einem anderen Punkt im Nationalpark wäre die Dichte der durchziehenden Gänse und Singvögel so groß. Mit etwas Glück ließen sich hier spektakuläre Beobachtungen machen. Versierte Ornithologen werden ebenfalls vor Ort sein, um den Gästen zu zeigen, welche Vögel es gerade zu sehen gibt. Ein weiterer guter Beobachtungspunkt sei der zugelassene Wanderweg auf dem Sommerdeich in Spieka-Neufeld. Hier bestünde die gute Möglichkeit, auch etwas näher an die rastenden Vögel heranzukommen, so Ropers.