Eiskalte Wintertipps
Nützliches und Praktisches für Frischluftfans
Die einzige Sonnencreme,
die auch wirklich arktische Temperaturen übersteht, heißt Ladival und ist in der Apotheke zu bekommen. Das Wichtige dabei ist, dass sich nicht in der Kälte die Fettphase von der wässrigen Phase (die meist den Lichtschutzfaktor enthält) trennen kann. Erreicht wird das durch einen Emulgator, der auch bei großer Kälte funktionieren muss. Das haut bei der Ladival-Creme (nicht das Gel nehmen!) mit LF 15 oder auch 25 super hin.
Zahnpasta bei großer Kälte:
Bei Wintertouren ist es ratsam, statt einer Zahnpastatube ein Döschen Zahnsalz mitzunehmen. Spätestens bei -10° Celsius kommt die Zahnpasta nämlich nicht mehr aus der Tube. Da man natürlich auf das Zähneputzen ungern verzichten möchte, ist Zahnsalz (z.B.Merfluan aus der Apotheke oder Drogeriemarkt) eine echte Alternative. Außerdem hat Zahnsalz noch einen unschätzbaren Vorteil: Wenn man unterwegs nur Schnee und kein Wasser zur Verfügung hat, lassen sich mit dem Zahnsalz - Schneegemisch trotzdem optimal die Zähne putzen. Frisches Gefühl (Pfefferminzgeschmack) inklusive.
Schlafunterlage im Zelt bei starken Minustemperaturen:
Natürlich kennt heute jeder die praktischen Isomatten, die sich nach der Öffnung des Ventils selbst aufblasen. Leider ist der Isolationseffekt in der Arktis oft nicht ausreichend. Außerdem sollte man die Matten nicht mit dem Mund und der feuchten Atemluft aufblasen. Es bilden sich Eiskristalle in dem empfindlichen Schaum. Die Folgen sind häufig Beschädigungen, die isolierende und polsternde Luft geht raus. Besser ist es, die Isomatte nicht nachzublasen, sondern ein Rentierfell darüber auszubreiten. Jeder Inuit und jeder Same kennt den unübertrefflichen Isolationseffekt von Rentierfellen. Normalerweise steckt ja das dickere Ende der Haare eines Fells in der Haut der Tiere. Nur bei den Rentieren ist es umgekehrt. Die keulenförmigen Haare stecken mit der Spitze in der Haut und bilden mit der dicken, runden Seite eine geschlossene Oberfläche auf dem Fell. Dazwischen bilden sich Luftpolster. Die Isolation ist übrigens so gut, dass das Rentierfell allein auch bei -20° C noch ausreicht. Komfortabler, da weicher, ist natürlich eine Isoschaummatte darunter. Wir haben zusammen mit Inuitjägern sogar bei -30° C auf dem Meereis auf diese Art und Weise campiert und nicht gefroren.
Schlafsack in der Kälte:
Statt eines super dicken -35° Schlafsacks, den man dann ja nur in arktischen Gefilden nutzen kann und der durch sein Volumen auch nicht besonders gut im Rucksack zu verstauen ist, sollte man lieber auf ein Zwiebelsystem aus zwei ineinander passenden Säcken setzen. Wir haben z.B. als Außenschlafsack einen Ajungilak (heißt ja auch schon in der Inuitsprache „sich wohlfühlen“) Winterschlafsack mit Kunstfaserfüllung und wasserabweisender Außenhülle. Die größte Größe und dazu ein Extender, der den Umfang des Schlafsacks erweitert, sind ebenso empfehlenswert. Da hinein kommt jetzt ein etwas dünnerer, sehr guter Daunenschlafsack. Wir setzen hier auf ein Leichtgewichtsmodell von Yeti. Beide ineinandergeschoben und man friert garantiert nicht mehr. Unsere Erfahrung geht dabei bis -35°. Tiefer reichte unser Thermometer in dieser Nacht nicht…
Zwiebelsystem, Daunen und Robbenfellkleidung:
Gerade bei sehr tiefen Temperaturen ist es im Camp wichtig, die richtigen Kleidungsstücke dabei zu haben. Wir setzen hier seit vielen Jahren auf gute Daunenjacken und –hosen. Produkte der Firma Yeti kann man da nur empfehlen. Abends im Zelt wird von uns als Nachtwäsche die dickste Sorte der Ullfrotté (jetzt Woolpower) Thermounterwäsche aus Merinowolle getragen. Im Schlafsack kommen noch Wollhandschuhe und (ganz wichtig!) eine gut anliegende Mütze hinzu. Solange man noch lesen, kochen, das Polarlicht beobachten oder die Hunde füttern möchte, kommen darüber Daunenhose und –jacke. Zwiebelsystem eben. So kühlt man nicht aus. Tagsüber bei körperlicher Aktivität reichen meist normale Kleidungsstücke, evt. mit dicker Unterwäsche und Fleece kombiniert. Bei der Rast kommen dann wieder die Daunen zum Einsatz.
Auch die Inuit haben mittlerweile alle Errungenschaften der modernen Bekleidungstechnik entdeckt. The Northface und Helly Hansen sind allgegenwärtig. Dennoch gibt es ein untrügliches Zeichen dafür, dass mit sehr tiefen Temperaturen zu rechnen ist. Alle Einheimischen ziehen nämlich dann ihre traditionelle Robbenfellkleidung, einige Jäger auch die Eisbärfellhosen an. Beide Varianten sind natürlich unübertroffen bei arktischen Temperaturen.
Schuhwerk in der Kälte:
Natürlich sind richtige Thermoboots oder Bergschuhe, die aus mehreren Schichten bestehen, im Winter notwendig. Aber auch das beste Schuhwerk nimmt im Laufe des Tages Feuchtigkeit von den Füßen auf. Wenn man dann nachts bei tiefen Temperaturen diese tagsüber getragenen Schuhe einfach nur im Zelt belässt, wird es am kommenden Morgen garantiert unangenehm. Es gibt einfach nichts Scheußlicheres als morgens bei -20° aus dem Schlafsack zu kriechen und in zwei hart gefrorene Eisblöcke zu steigen. Deswegen auch der große Überschlafsack. Man nimmt sich einfach zwei Jutebeutel oder Plastiktüten mit und stopft seine Stiefel abends vor dem Schlafengehen so mit in den Außenschlafsack (durch die Übergröße ist unten genug Platz). Morgens dann die Wohltat: angenehm temperiertes und trockenes Schuhwerk. Außerdem haben noch eine Wasserflasche, Batterie für die Stirnlampe oder der Fotoapparat Platz.
Handschuhe:
Hier gibt es gleich zwei Tricks. Handschuhe sind in der Arktis mehr als wichtig. Bei Verlust sind Erfrierungen fast vorprogrammiert. Also Handschuhe immer festbinden. Viele Outdoorjacken haben dafür schon einen Kunststoffhaken am Ärmel angebracht. Ansonsten ist es das einfachste, die Handschuhe mit einer entsprechend langen Schnur miteinander zu verbinden und diese dann über die Schulter durch die Ärmel der Jacke zu ziehen und sie außen immer griffbereit zu haben. Ganz besonders bei mir als Fotografin hat sich ein besonderes Handschuh-Klappsystem bewährt. Man zieht als unterste Schicht dünne Seidenfingerhandschuh an, mit denen man gut greifen und den Fotoapparat bedienen kann. Darüber kommt ein Fausthandschuh mit Windstopperfunktion. Das besondere an diesem Handschuh: Auf Höhe der Fingeransätze an der Handfläche gibt es einen überlappenden Schlitz. So hat man die wohlige Wärme des Fäustlings, kann aber bei Bedarf ohne Ausziehen die vier Finger (ohne Daumen) durchstecken und so feinmechanisch gut arbeiten. Darüber kommen bei großer Kälte noch dicke Fausthandschuhe mit Goretexmembran (natürlich an der Jacke festgebunden).
Zeltbefestigung auf dem Eis:
Wenn man sein Zelt auf dem Gletscher, gefrorenem See oder Meereis sicher befestigen will, taugen dafür normale Häringe nicht. Beim Einschlagen splittert das Eis, die Häringe sitzen nicht fest. Besser ist es, mit einem Pickel eine Eisbrücke zu bauen. Rechts und links gezielt ins Eis schlagen. Ein Steg entsteht, durch den man die Abspannleine des Zeltes durchfädeln kann. Hält bombenfest. Die Inuit binden so nicht nur ihre Schlittenhunde sondern sogar ihre Fischerboote an. Bei Schnee benötigt man auch keine speziellen Schneehäringe (diese teuren und monstösen Teile). Es reicht völlig aus, die „normalen“ Häringe oder ein Stück Holz quer ein paar Zentimeter tief in den Schnee zu legen und dann festzutreten. Bei großer Kälte ändert sich dabei durch mechanische Kräfte die Schneekristallstruktur und die Häringe sind nach kurzer Zeit fest einzementiert. Bei leichtem Frost hilft ein Becher Wasser über den Häring.
Und zu guter Letzt:
Der wichtigste Ausrüstungsgegenstand in der Arktis ist eine gute Thermosflasche. Getränke frieren ja in der normalen Flasche sofort ein. Wir haben jeder seit Jahren zwei ½ Liter Titanflaschen mir kleinem Becher dabei. Leicht und praktisch. Zwei kleine Flaschen haben den Vorteil, dass natürlich eine volle Flasche besser und länger isoliert als eine Angebrochene. So trinkt man zuerst aus der einen und bricht die Zweite erst an, wenn die Erste leer ist. Und es gibt nichts Schöneres als bei einer Rast mit dem Hundeschlitten auf dem Meereis einen Becher heißen Tee zu genießen.



